Beat Wormstetter
spielt Titus Fuchs in der Tragikomödie "FUCHS.Ein Absturz.Ein Coup" im Spitel Küttigen
André Lüscher. Präsident MG Gränichen, erzählt im Interview unter anderem von der Schönheit der Musik, welche Highlights dieses Jahr anstehen und erklärt die Bedeutung von Vereinen, auch für Jugendliche.
In welcher Kategorie und Stärkeklasse lässt sich die Musikgesellschaft Gränichen einordnen und welche Literatur spielt sie?
Die Musikgesellschaft Gränichen ist ein Blasmusikverein in Harmonie-Besetzung. Wir spielen in der 3. Stärkeklasse. Unser Repertoire umfasst ein breites Spektrum an Genres. Am ehesten liegt uns zwar die konzertante Blasmusik, welche wir zur Adventszeit am Kirchenkonzert aufführen. Jedoch spielen wir an unseren Jahreskonzerten immer im März Unterhaltungsmusik und Moderne.
Am 14. März steht das Jahreskonzert 2026 an. Was haben Sie geplant und auf was darf sich das Publikum freuen?
Das Jahreskonzert 2026 steht unter dem Motto «Viva la Vida – Es lebe das Leben». Das Konzertprogramm enthält Stücke voller Rhythmus, Leidenschaft und Lebensfreude. Wir werden dem Publikum auch einige Geschichten und Anekdoten aus dem Leben der MGG erzählen. Die erste Geschichte beginnt im April 1964.
Wie gehen Sie eigentlich vor, für die Konzerte immer wieder neue Themen/Mottos zu finden?
Für die Stückwahl des Jahreskonzertes und sein Motto hat unsere Musikkommission absolut freie Hand. Ob nun das Motto zuerst gefunden und danach die passende Literatur ausgewählt wird oder umgekehrt anhand der ausgesuchten Literatur ein Motto entsteht, ist das bestgehütete Geheimnis der Musikkommission. Ich habe in den vielen Jahren als Musikant die Vorgehensweise nie verstanden und war stets positiv überrascht, welche Mottos hervorgezaubert wurden.
Das Eidgenössische Musikfest in Biel am 15. Mai ist sicher auch ein Highlight in Ihrem Jahreskalender. Nehmen Sie auch am Wettbewerb teil?
Das letzte Eidgenössische Musikfest fand 2016 im Montreux statt (2021 fiel es wegen Corona aus). Der Entscheid fiel schnell und war nicht schwer, uns der Herausforderung des Wettbewerbs zu stellen. Wir freuen uns sehr auf das Fest. Wir werden am Freitag, 15. Mai, um 15.45 Uhr in der OSZ Rittermatte unser Bestes geben.
Welche bedeutende Konzerte stehen sonst noch auf der Agenda?
Die MGG wird heuer an den Jugendfestumzügen in Suhr und Unterkulm teilnehmen, an der Bundesfeier und am Bettag aufspielen sowie an der Gewerbeausstellung «Gränicher Gwärb» ein kleines Konzert geben. Die Gränicher Gewerbetreibenden unterstützen uns stark bei der Jugendförderung, wofür wir ihnen sehr dankbar sind.
Die bedeutesten Konzerte sind jedoch unsere beiden Kirchenkonzerte am 20. und 22. November in der ref. Kirche Gränichen. Im Kontrast zum Jahreskonzert widmen wir uns da eher sinfonischer Blasmusik-Literatur.
Welche Aktivitäten unternehmen Sie neben der Musik noch als Verein?
Ein Vereinshalbjahr schliessen wir immer mit einem Sommer- oder Weihnachtshöck ab. Da tun wir etwas Gutes für unseren Gaumen und Magen statt für unsere Ohren. Bei unserer traditionellen Metzgete im Oktober verwöhnt die MGG aber dann ihre Gäste. Das Instrument bleibt an diesem Abend zuhause. Da bleibt uns keine Zeit für Musik. Für musikalische Freuden sorgt an der Metzgete traditionell die Blaskapelle Rhybuebe aus Stein.
Wie lange sind Sie schon dabei und seit wann Präsident?
Ich musiziere mittlerweile schon seit über 46 Jahren in der MGG mit einer sechsjährigen Unterbrechung, wo ich beruflich im Ausland tätig war. Wir waren damals eine grosse Gruppe Jugendlicher, welche dem MGG-Jugendorchester gleichzeitig beitrat. Das war eine wunderschöne Zeit, die Freundschaften fürs Leben band.
Präsident bin ich erst seit unserer letzten Generalversammlung im Dezember letzten Jahres. Dieses Amt bekleidete ich allerdings bereits vor 18 Jahren schon einmal bis zu meiner Abreise nach Korea.
Welches Instrument spielen Sie und was ist für Sie das Schöne an der Musik?
Ich spiele seit meiner Kindheit das Cornet und bin dem Instrument auch treu geblieben. Leider zahlt sich diese Treue nicht auf meine Spielqualität aus. Jeder Mensch hat mit Sicherheit schon mal beim Hören eines Musikstückes, das einem gefällt, erlebt, dass es Gänsehaut erzeugt. Es berührt uns emotional. Für einen Blasmusikanten, der mit Atem, Fingern und Hirn eben diese Musik mitten im Orchester noch mitgestalten darf, ist das nicht nur schlicht eine grosse Ausschüttung von Dopamin, sondern ein unbeschreiblich schönes Gefühl.
Wie sieht es eigentlich mit dem Nachwuchs aus?
Die MGG arbeitet eng mit der Musikschule Gränichen zusammen. Dabei ist es ein Glückfall, dass die Musikschulleiterin zugleich unsere Dirigentin ist. Mit einem Sponsoring-Programm fördern wir Schülerbands und stellen Instrumente für die Bläserklasse, welche an der Primarschule in den obligatorischen Musikunterricht eingebaut ist.
Wo könnten Sie allenfalls noch Verstärkung gebrauchen?
Verstärkung können wir immer gebrauchen. Im Speziellen sind wir auf der Suche nach «tiefem Blech». Aber selbstverständlich sind alle Blasmusikantinnen und Blasmusikanten, welche Freude am gemeinsamen Musizieren haben bei uns jederzeit herzlich willkommen.
Nächstes Jahr feiert die Musikgesellschaft ihr 150-jähriges Bestehen. Ist zu diesem Jubiläum etwas Besonderes geplant?
Nur Minuten nach meiner Wahl zum Präsidenten der MGG wurde ich von einer Musikantin mit Augenzwinkern aufs Jubiläumsjahr aufmerksam gemacht. Ja, wir werden dieses Jubiläum, auf das wir stolz sind, feiern. Preisgeben wollen wir das Besondere jetzt aber noch nicht.
Sie haben das letzte Word, vielleicht einen Wunsch, eine Anregung oder Danksagung?
Vereine sind sehr wichtige Grundpfeiler unserer Gesellschaft und Kultur. Generationenübergreifend lernen junge Mitmenschen in Vereinen, wie sie sich ehrenamtlich in unserer Gesellschaft einbringen können, unsere Traditionen bewahren und andere Menschen dafür begeistern können.
Mein grosser Wunsch ist, dass sämtliche Jugendliche in irgendeinem Verein mitmachen. Dabei ist es unwesentlich, ob das nun die Pfadi, ein Musik-, Sport- oder Hobbyverein ist. Es sind Orte der Begegnung und gleichzeitig ist es die beste Schule, um Verantwortung zu übernehmen – die perfekte Institution.
Interview: Olivier Diethelm
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