Heinz Rennhard
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Marc Friedli, Präsident Museumskommission Rupperswil (rechts) mit Pfarrer Stefan Huber, einer der Porträtierten der neuen Ausstellung, im Wechselausstellungsraum des Dorfmuseums.
Bild: Olivier Diethelm
Mit seiner Saisonausstellung «Von der Wiege bis zur Bahre» startete das Dorfmuseum letzten Sonntag ins neue Museumsjahr. Spannende Porträts von in Rupperswil wohnhaften oder arbeitenden Personen geben berufliche wie auch persönliche Einblicke in die verschiedenen Lebensabschnitte zwischen Geburt und Tod.
Rupperswil Auf die Frage, wie er auf das Thema «Von der Wiege bis zur Bahre» der aktuellen Saisonausstellung gekommen sei, antwortet Marc Friedli, Präsident der Museumskommission Rupperswil, schmunzelnd: «Naja, meine Grosseltern, alle um mich herum und natürlich auch ich (lacht) werden älter.» Den entscheidenden Anstoss habe ein Gespräch mit seinem Grossvater gegeben. «Er wollte einmal seine Beerdigung planen und so habe ich für ihn seinen Lebenslauf geschrieben.»
Damit die Ausstellung aber nicht zu «düster» gerät, habe er sich bewusst dafür entschieden, das Leben als Ganzes zu zeigen – vom Anfang bis zum Ende, erzählt der Geschichtsstudent. Für das Projekt sprach Marc Friedli mit verschiedenen Menschen und porträtierte Persönlichkeiten, die einen Bezug zu Rupperswil haben und sich teilweise auch beruflich mit dem Thema Leben und Tod auseinandersetzen. Die Museumskommission unterstützte die Idee von Anfang an, und gemeinsam wurde überlegt, wen man interviewen könnte.
Gesagt, getan: Aus rund zwölf Stunden Filmmaterial mit sieben Interviews entstand ein 106-minütiger Film. Darin erzählen sieben Menschen aus ihrem Berufsalltag, von persönlichen Erfahrungen und aus ihrer Kindheit. Hebamme Lisanne Halbeisen (38) berichtet etwa, wie eine Geburt abläuft – und warum sie oft zu den schönsten Momenten im Leben zählt. Auch die ehemalige Kindergärtnerin Gaby Siotis (69) hat Generationen von Kindern begleitet. «Kinder leben in der Gegenwart», sagt sie – und verrät, wie man sich diese Fähigkeit auch im Alter bewahren kann.
Als Dorfarzt hatte Peter Wolleb (76) gewissermassen den Überblick über das Dorfgeschehen und zugleich tiefe Einblicke in die Lebensgeschichten seiner Patientinnen und Patienten. Eindrücklich sind auch die Erinnerungen von Bruno Lüscher (76), ehemaliger Kirchensigrist, der die Kirchenglocken noch heute «wie im Schlaf» läuten lassen könnte.
«Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiss nie, was man bekommt», zitiert der reformierte Pfarrer Stefan Huber (49) aus «Forrest Gump» und spricht über das, was ein erfülltes Leben ausmacht. Einen besonders direkten Bezug zum Tod hat Bestatterin Karin Koch (59), die grossen Wert auf einen äusserst respektvollen Umgang mit Verstorbenen legt. Und schliesslich gibt Frieda Manz (102), die in Rupperswil aufgewachsen ist, Einblick in vergangene Zeiten und erzählt, wie das Dorf früher war – und was Kinder damals spielten.
Ob beim Anschauen des Films oder beim Betrachten der Porträts im Wechselausstellungsraum: Die Ausstellung soll zum Nachdenken anregen und Gespräche auslösen. Denn obwohl der Tod unweigerlich zum Leben gehört, ist er in unserer Gesellschaft noch immer ein Tabuthema.
«Dieses Ausstellungsformat mit Interviews und Porträts ist ein Experiment», sagt Marc Friedli. «Wenn es bei den Besuchenden gut ankommt, können wir uns gut vorstellen, diese Form auch für andere Themen zu nutzen.» Filme böten dabei ganz andere Möglichkeiten als reine Texttafeln: «Texte müssen kurz und prägnant sein – ein Film kann viel mehr erzählen.»
Das Feedback zum Dorfmuseum sei durchwegs positiv. «Wir sind laufend daran, weiter zu optimieren», so Friedli, «zum Beispiel beim geführten Rundgang durch das Museum mit seinen Exponaten.» Und mit einem Lachen fügt er an: «Schlussendlich ist es ein Marathon, kein Sprint.»
Von Olivier Diethelm
Das Dorfmuseum Rupperswil hat jeden ersten Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Es bleiben noch einige Gelegenheiten, sich die spannende Saisonausstellung «Von der Wiege bis zur Bahre» zu Gemüte zu führen.
Weitere Informationen zum Dorfmuseum Rupperswil: https://www.rupperswil.ch/dorfmuseumrupperswil/9889
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